#1 Was ist Agri-PV, Herr Hörnle?
Shownotes
Mit dem Podcast „Das Gelbe vom Ei“ präsentiert die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) eine dreiteilige Reihe über die Potenziale, Herausforderungen und die praktische Umsetzung der Agri-Photovoltaik (Agri-PV).
Folge 1: Die wissenschaftliche Perspektive – Was ist Agri-PV? Anton Benz im Gespräch mit Oliver Hörnle (Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE), dem Gesamtprojektleiter der Modellregion. Wir klären die Definition von Agri-PV und beleuchten die zentralen Forschungsfragen des Projekts.
Host: Anton Benz Verantwortliche: Prof. Barbara Banzhaf, Professorin Studiengang Agrarwirtschaft, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU)
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00:00:04: Herzlich willkommen bei das Gelbe vom Ei, dem Podcast der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen Geislingen über die Kombination von Photovoltaik- und Freiland-Legehennenhaltung.
00:00:15: Ich bin euer Host Laurin Hildebrandt.
00:00:17: In drei Folgen beschäftigen wir uns mit ACRIPV also der gleichzeitig Nutzung einer Fläche für Landwirtschaft und Solarstrom.
00:00:25: Wir klären rechtliche und organisatorische Fragen und sprechen vor allem mit Menschen, die diese Form der Doppelnutzung bereits in der Praxis umsetzen.
00:00:34: Zum Auftakt besuchen wir Oliver Hörnle.
00:00:37: Er leitet die Arbeitsgruppe AgriPV am Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg und ist Gesamtprojektleiter der Modellregion Agri-Pv Baden-Württemberg.
00:00:49: Mein Kollege Anton Benz hat mit ihm gesprochen und wollte wissen, ab wann wird eine Pfote Voltaikanlage in der Landwirtschaft eigentlich zu Agri PV?
00:00:57: Hallo
00:01:02: Herr Hörner!
00:01:03: Die Modellregion Agripv Baden-Württemberg gibt es jetzt ja schon seit Jahrzehnte.
00:01:08: Können Sie einmal ganz kurz beschreiben, was die Modellrektion genau ist?
00:01:12: Ja, die Modellegion AgriPV für Baden Württmberg ist tatsächlich das weltweit größte zusammenhängende Forschungsprojekt in dem Themenfeld AgriPV.
00:01:22: Wir sind damals zuerst mit dem Land Baden-Württemberg in einer Konzeptionsstudie gestartet, um mal zu schauen wo könnten Anwendungsfälle in Baden Württemberg liegen.
00:01:34: Dann ging es natürlich auch darum, zu schauen welche Kulturen eignen sich.
00:01:38: Baden-Württemberg als Sonderkulturland und ja auch die Agrippe für als potenzielles Pflanzenschutzkonstrukt passen dann ganz gut zusammen.
00:01:47: Das waren aber auch die komplexesten Themenfelder weswegen wir uns direkt den größten Brocken ans Bein gebunden haben, indem wir mit den Sonderkulturen losgelegt haben im Rahmen der ersten Umsetzungsphase, der Modell-Region AgriPv für Baden-Württemberg Sonderkultursysteme umgesetzt haben hier in Baden Württmberg mit landwirtschaftlichen Versucheinrichtungen und Praxislandwirten.
00:02:13: Können Sie das einmal ganz kurz genauer erklären was denn so eine Sonderkultur ist?
00:02:18: Und wie dann so ein Projekt aussieht?
00:02:20: Ja, also Sonderkulturen gibt es ja auch viele verschiedene.
00:02:23: Das sind ja alles an Obstbäumen und Obststräuchern aber auch Gemüseanbauzelt.
00:02:30: zu den Sonderkulturen da der Bodenseeraum natürlich auch bekannt ist für seinen Obstanbau haben wir auch mit dem Obst gestartet und in unterschiedlichen Technologieformen.
00:02:45: da haben wir zum Beispiel In Cress-Pron ein Standort mit statischen semi transparenten Modulen umgesetzt und da sind wir dann einfach auch auf die Landesanstalten, also Versuchsanstalten in Baden-Württemberg zugegangen.
00:03:02: Um dort mit denen gemeinsam das Thema zu erkunden und haben dort Anwendungen über kirche Apfelbäumen in verschiedenen Ausprägungsformen umgesetzt aber auch über Bärenobst um eben da Praxiserfahrungen mit den Systemen sammeln zu können.
00:03:21: Wie kann ich mir das denn konkret vorstellen?
00:03:23: Also Sie haben jetzt gerade eben semi-transparent gesagt, sind es dann Photovoltaikanlagen durch die man durchschauen kann und dann bekommen einerseits die PV Anlagen Sonnenlicht ab aber auch die darunter liegenden Kultur.
00:03:36: Das sind normale Module, die man ja auch auf dem Dach hat.
00:03:39: Da braucht man keine Sonderaufendach aber die Pflanze braucht natürlich Sonne für die Fotosynthese und die AgriPv soll eben den Hauptnutzen der Landwirtschaftennutzfläche nicht gefährden was ja die Landwirtschaft ist.
00:03:53: das heißt Man muss schon schauen dass man hier Systeme umsetzt wo die Pflanzen auch noch genügend Licht bekommt.
00:04:00: Und dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten.
00:04:04: Entweder man setzt semi-transparente Module ein, also einfach Module wo dann die Zellen etwas weiter auseinander sind als bei den Dachmodulen.
00:04:13: So dass eben zwischendrinne noch Sonne reinkommt und wir eben ja auch einen ausreichenden Pflanzenertrag haben.
00:04:22: Man kann das aber auch anders umsetzen durch Abstände zwischen Modulen oder auch durch Nachführungsalgorithmen.
00:04:28: Zumindest
00:04:28: mir müssten Sie jetzt nochmal ganz kurz erklären was denn ein Nachführungsalgorithmus ist?
00:04:33: Genau, ein pflanzenorientierter Nachführungsalgorithmus ist es.
00:04:36: Also es gibt ja auch bei der PV-Anlage gibt's statische häufig südausgerichtete Systeme.
00:04:43: Es gibt aber auch Systeme die der Sonne folgen.
00:04:45: das sind dann nachgeführte oder auch getrackte Systeme.
00:04:49: Die haben natürlich den Vorteil dass sie pro installierte Leistung mehr Energie erzeugen weil sie natürlich der Sonnenfolge und auch in der Lage sind in den morgens und abends Stunden mehr Strom zu erzeugten.
00:05:03: Und das läuft überwiegend einfach über Positionsdaten, die stumpf dem Sonnenstand nachfolgen.
00:05:10: Was wir jetzt gemacht haben ist... Wir schauen uns den Licht... Also wir haben von den landwirtschaftlichen Partnern den Lichtbedarf der Pflanze übermittelt bekommen auf verschiedenen Tageszeiten in verschiedenen Saisons.
00:05:24: Die Pflanzen braucht nicht immer in jeder Wachstumsphase genau gleich viel Licht.
00:05:28: Da gibt es ein paar entscheidende Phasen.
00:05:30: Wenn man natürlich ein statisches System baut, dann kann man das nicht beeinflussen in welchen Phasen man wie viel Licht macht.
00:05:36: Bei diesem nachgeführten System dadurch dass man eben bewegliche Teile hat, kann man es beeinflussend und der übliche Fall ist, dass man Strom maximiert nachführt also der Sonne folgt.
00:05:47: bei der pflanzenorientierten Nachführung schauen wir da eine Mischoptimierung machen.
00:05:53: Wir wollen jetzt natürlich nicht unendlich viel Strom ertrag verlieren aber der Pflanze in den kritischen Phasenden genügend Licht geben.
00:06:00: Die Pflanze ist da nicht anders wie der Mensch, die braucht auch morgens erst mal ein bisschen Sonne um den Metabolismus in Gang zu bringen.
00:06:10: Wir nennen das dann auch die Kaffeeschalte dass man einfach morgens wenn die Sonne ankommt an auch erstmal mehr Licht auf die Pflanzen lässt so kann man sich das vorstellen dass man dann auch sehr flexibel einzelne Bedarfe jetzt auch zum Beispiel Landwirte uns mitgeben können sagen, dass wir dann zum Beispiel auch in einigen Nächten versuchen die Module besonders gerade zu stellen um möglichst viel Fläche zu überdecken wenn es die Gefahr eines Strahlungsfrostes gibt.
00:06:38: Und das sind auch zum Beispiel so Erkenntnisse, die wir jetzt bis dato schon haben Dass wir eben über Agripv Die strahlungs Fröste reduziert bekommen und auch da dann die Schäden natürlich auch mit reduzieren sehen.
00:06:51: Was bedeutet strahlungsfröst?
00:06:53: Es gibt unterschiedliche Frostarten, die den Sonderkulturen zu schaffen machen.
00:07:01: Eine der verbreitetesten Formen von Frost ist eben der Strahlungsfrost, der aus dem kalten All auf die Erde strahlt.
00:07:08: Man kann als gutes Beispiel immer die Autoscheiben nehmen.
00:07:12: wenn man nachts im Winter einen klaren Himmel hat Dann sind am nächsten Tag alle Autos vereist.
00:07:21: Wenn es eine Wolkendecke gibt, ist das nicht so und auch dafür ist ja auch zum Beispiel ein Carport da.
00:07:25: wenn man's unter das Carport stellt dann ist es z.B.
00:07:28: schon nicht verfrostet obwohl es ja auch draußen bei der gleichen Temperatur stand.
00:07:33: Und dieser Unterschied ist genau dann eben die das Geragendach Der dann den Strahlungsfrost der vom Allstrahlt abfängt.
00:07:42: und So gesehen kann man die Agri-Pv im Endeffekt als Carport für einen Apfelbaum bezeichnen.
00:07:49: Sie haben jetzt ja ganz am Anfang schon erwähnt, dass die Modellregion echt sehr groß ist.
00:07:53: man sieht es auch auf einer Karte auf ihrer Webseite wo ganz viele Punkte eingezeichnet sind.
00:08:00: was gibt es denn noch für andere Anwendungsbeispiele innerhalb der Modell-Region?
00:08:05: In der Modellegion Haben wir auch in den später gestarteten Phasen die Sicht ein wenig breiter gemacht, weil einfach die Agripv so divers ist im Wesentlichen wie die Landwirtschaft selber.
00:08:18: Es gibt jetzt nicht das AgripV System sondern es gibt verschiedenste und da haben wir dann einfach auch um unterschiedliche weitere Anwendungsform zu erschließen haben wir zum Beispiel einen Pilot in der Wiederaufforstung umgesetzt Beziehungsweise ein baden-württembergisches Kiesunternehmen, was bei der Wiederaufforstung der Baggerflächen inzwischen auch Probleme hat.
00:08:44: Weil auch die jungen Setzlinge nicht gerne direkt in der Sonne aufwachsen Sondern auch da hat der Schatten dann einen gewissen Vorteil.
00:08:52: Da zum Beispiel haben wir den Piloten, bei Bäumen ist das natürlich immer etwas langwieriger dort die Unterschiede zu erheben.
00:09:00: Das ist deutlich langfristiger als bei einer Erdbeere.
00:09:03: Es gibt aber
00:09:03: z.B.,
00:09:04: wenn wir jetzt gerade bei der Erdbäre sind und grundsätzlich beim Bärenbau gibt es auch ein gesamtgeschlossenen Ansatz an der LVWU in Weinsberg.
00:09:14: Dort wurde ein System umgesetzt, was ich sage jetzt mal eher Gewächshausähnlich ist.
00:09:21: Wo wir gleichzeitig aber auch noch Regenwasser über diese Anlage sammeln und das Wasser für die Bewässerung speichern.
00:09:28: Denn Regenwasser ist exzellentes Bewässerungswasser und das kann man ja auch mit sammlen.
00:09:34: Das könnte man dann ja auch, es wäre sozusagen eine dritte Nutzung also die Fläche gleichzeitig für Landwirtschaft, für PV-Aber auch gleichzeitig zur Wassersammlung genutzt Genau, und es gibt dann aber auch jetzt noch eher in der neueren Phase.
00:09:50: Wollen wir mehr Blick auf Tierhaltung legen?
00:09:54: Dazu kamen dann zwei Standorte in der Hühnerhaltung hinzu.
00:10:00: zu den Legehennenbetrieben kommen wir auch gleich nochmal zu sprechen oder sie haben ja vor allem bisher die technische Seite beleuchtet.
00:10:10: Es gibt eine ziemlich komplexe rechtliche Seite des Ganzen.
00:10:18: Vielleicht erklären Sie einmal ganz grundsätzlich, was denn überhaupt so eine Agri-PV Anlage von einer ich sag mal herkömmlichen Freiflächenanlage unterscheidet?
00:10:29: Ja da kann man ausnahmsweise wirklich meine einfach Antwort drauf geben, denn das ist die landwirtschaftliche Hauptnutzung der Fläche also für uns.
00:10:37: unsere Definition lautet da einfach dass die PV-Nutzung einen Zusatz nutzen ist, aber die landwirtschaftliche Nutzung, die Hauptnutzungen der Fläche bleibt und dementsprechend die PV sich nach den Anforderungen der landwirtschaftlichen Nutzungen zu richten hat.
00:10:52: Das ist unsere Definition.
00:10:55: in Deutschland bevor irgendwas existieren darf braucht das Ganze aber ja eine regelende Dienorm.
00:11:02: Die gibt es in Deutschland auch, die Dienstback-Einneunzig vier drei vier für den pflanzenbaulichen Teil und dann gibt's noch eine Normen für den Tierhaltungsteil, die aber derzeit nicht wirklich verwendet wird.
00:11:16: Und die legt noch weitere Kriterien fest.
00:11:20: und in der Dienstback Einneunzvier drei vier ist vor allem dann auch ein landwirtschaftlicher Hauptnutzen durch einen Mindestertrag von sixty-sechzig Prozent vom Referenzertrag festgelegt heißt man darf nicht mehr als dreidreißig Prozent des Ertrages durch die Agrarpv verlieren und es muss eben für eine ausreichende Licht- und Wasserverfügbarkeit gesorgt werden.
00:11:46: Und das muss ein landwirtschaftliches Nutzungskonzept eingereicht werden, wo dann auch eben die maschinelle Nutzungen der Fläche weiterhin gegeben ist.
00:11:55: also wenn man hat ja in der Landwirtschaft dann häufig Maschinen die dann eher neun bis fünfzehn Meter Bearbeitungsbreite haben, teils auch noch größer.
00:12:06: Und damit kommt man nicht weit wenn man dann natürlich einen Stellsenwald mit jeweils drei Meter Abständen hat.
00:12:14: das ist da natürlich einfach deutlich schwieriger in der Umsetzung.
00:12:19: Und das sind so die Hauptkriterien, um das abzugrenzen.
00:12:23: und die unterscheidet auch noch mal diese Norm in hochaufgestanderte Systeme über zwei Meter zehn- und niedrig aufgestandete Systeme.
00:12:30: Wo eben die Landwirtschaft eher zwischen den Modulreihen erfolgt und bei den Hochaufgestanderen erfolge sie eher unter den Modulen.
00:12:38: Sie hatten ja am Anfang gesagt dass es eigentlich ganz einfach ist zumindest von Ihrer Seite.
00:12:43: wenn ich mir jetzt Ihre Erklärung zu der Dienstspecknorm anhöre dann Wirkt es überhaupt gar nicht so einfach.
00:12:51: Ja, das ist auch tatsächlich im Doing dann auch wirklich nicht ganz einfach denn gerade bei der Umsetzung dieser Normen wird die auch unterschiedlich interpretiert.
00:13:06: Nicht um.
00:13:07: wir zum Beispiel sehen jetzt nicht unbedingt nur weil bestimmte Dinge nicht in diese Norm reinpassen dass sie Sachen auch zum Beispiel nicht Agri-Pv sind.
00:13:16: also ist tatsächlich damals, wo eigentlich auch noch gar keine Systeme bekannt waren.
00:13:21: War das einfach nur der Erstaufschlag um das irgendwo regulativ greifbar zu machen?
00:13:27: Aktuell wird auch aus dieser Dienstbeck eine Vollnorm entwickelt und da hoffen wir auf ein bisschen präzisere Regeln.
00:13:34: Und was natürlich dann auch noch ein Thema ist sind dann quasi baurechtliche Rahmenbedingungen.
00:13:40: Denn also einen Baurecht wird ja nicht von einer Norm gemacht sondern Baurech wird von gesetzgebenden Akteuren gemacht.
00:13:48: und auch da gibt es eine ganze Menge, denn es gibt ja auch nach Raumordnung und Raumplanung.
00:13:54: Das heißt in Baden-Württemberg zum Beispiel gibt's ja immer noch die Regionalpläne.
00:13:59: Das war z.B.
00:14:00: auch aus meiner Sicht ein starker Erfolg das zum Beispiel den baden-württmberg in einigen regionalplänen auch Vorranggebiete der Landwirtschaft dezidiert für Agrarpv geöffnet sind weil dort nämlich Freiflächenpv untersagt ist.
00:14:13: Es klingt nach dem kleinen Unterschied ist aber ein gigantischer Hebel, denn wenn man nicht differenziert zwischen Agrarpv und Freiflächenpv und sagt, man schließt einfach auf den vorangebieten Landwirtschaftspauschal PV aus.
00:14:26: AgrarpV gehört halt aber nun mal in den Zusammenhang mit der Landwirtschaft und dann hat man da regulativ große Schwierigkeiten.
00:14:35: Wenn ich mir die Situation jetzt angucke im Vergleich zu wo wir gestartet sind, wo auch steuerrechtlich extreme Unsicherheiten waren.
00:14:45: Und wo es einfach kaum Maßgabe dafür gab und das eigentlich wie eine ganz normale Freiflächenanlage behandelt ist bin ich schon ganz zufrieden wo wir jetzt stehen.
00:14:54: Genau Sie haben ja gerade eben schon erklärt wie sich eine AKTV Anlage von einer Freiflächenanlage unterscheidet.
00:15:02: Was sind denn die Vorteile für Landwirte und Landwirta von einer AGPV-Anlage im Vergleich zu einer Freiflächenanlage?
00:15:09: Genau, also das erstmal.
00:15:11: Die steuerrechtliche Einordnung zum landwirtschaftlichen Vermögen zusehen.
00:15:16: Also eine AGPv Anlage ist Teil des landwirtschaftliches Vermögens und wird dementsprechend auch niedriger besteuert.
00:15:25: Insbesondere im Falle von Erbschaftssteuern ist es wirklich substanziell.
00:15:28: Das heißt da ist schon mal ein Vorteil.
00:15:31: Man kann natürlich, wie gesagt auch dann Agri-PV deutlich besser auf landwirtschaftlichen Nutzflächen umsetzen als eine PV Anlage.
00:15:39: Weil man natürlich keine im Flächennutzungsplan gibt es ja dann keine Nutzungsänderung.
00:15:44: Es ist vorher Landwirtschaftliche Nutzfleche, es bleibt Landwirtschaftlich Nutzfläche.
00:15:47: damit spart man sich da auf jeden Fall schon einiges an Aufwand und es ist natürlich auch in manchen Gemeinden einfach deutlich lieber gesehen weil es weniger Flächenkonkurrenz gibt und man da einfach einer Genehmigung für bekommt.
00:16:00: Das klang jetzt bestimmt für manche ein bisschen abstrakt.
00:16:04: Vielleicht hilft es ja, wenn wir das einmal ganz konkret machen und mal zu den beiden Betrieben gehen die auch Teil der Modellregion sind.
00:16:14: also es gibt ja einmal die Familie Möhler in Schöntal und einmal die Familien Keppler in Uttenweiler Die beide eine Freilandlege-Händenhaltung haben in Kombination mit Photovoltaik.
00:16:26: Können Sie das sagen?
00:16:27: Wie sieht es denn bei den Betrieben Aus?
00:16:29: sind das AKPV-Anlagen oder sind es Freiflächenanlagen?
00:16:35: Also rein definitorisch, also rein jetzt nach der Deanspec'ein neunzig vier drei vier.
00:16:42: Sind es keine AgriPv Anlagen weil Hühner keine Weidetiere sind.
00:16:49: Das ist tatsächlich die rein definitorische Logik.
00:16:53: aus meiner Sicht Ist das schon eine sinnvolle Kombination?
00:16:58: Beziehungsweise sollte man sich das ganz genau anschauen, ob es eine sinnfuelle Kombination sein kann.
00:17:05: Weil natürlich auch die Hühner jetzt nicht besonders groß sind.
00:17:08: Das heißt, man braucht ja also... Wo ich dann auch immer meine Schwierigkeit habe und man muss ja auch nicht alle Systeme dann irgendwie künstlich höher bauen oder künstlicher kompliziert haben.
00:17:19: Das treibt ja auch nur den Preis!
00:17:20: Und bei den Hühnern ist es einfach charmant.
00:17:23: Die sind eh gerne überdeckt weil sie sich da sicherer fühlen.
00:17:28: Die sind jetzt auch nicht dafür bekannt, dass die besonders hohe Schulterhöhen haben wie zum Beispiel irgendwelche Rinder oder besonders brachial mit irgendwelchen Anlagen umgehen.
00:17:38: das heißt aus meiner Sicht kann man diese Flächen auch schon relativ verlustfrei kombinieren eigentlich mit Systemen die auch ähnlich nach Freiflächenanlage sind.
00:17:47: Also warum auch nicht?
00:17:49: Für mich ist das dann eher die Frage, brauchen diese Systeme extra Zuschüsse.
00:17:53: Und wenn wir dann von der Zuschussseite gucken, muss der Staat natürlich auch irgendwo möglichst viel Steuermittel-Effizienz haben und da braucht es so eine Hühneranlage, wie ich jetzt einfach auch mal AgriPV nenne, deutlich weniger Geld um einen Kostenvergleich zu der Freifläche zu machen weil es de facto... teilweise ja auch einfach eine ist.
00:18:17: Da ist nicht viel konstruktive Änderung im Vergleich jetzt zu einer Apfelanlage.
00:18:21: und wenn man dann halt eben sagt gut, man macht eine Förderung für Agri-PV Dann wird das eine System wahnsinnig überfördert und das andere System wird unterfördert.
00:18:32: Und da is aus meiner Sicht viel mehr zu differenzieren vom Gesetzgeber auch her was will er denn eigentlich?
00:18:38: Und dementsprechend die Förderungen vergeben.
00:18:41: so ne Hühneranlage hat halt einfach nicht viel mehr kosten Wobei wir jetzt auch nach den ersten Jahren der Versuche eben von der HFU und auch den Erfahrungen von den Legendenbetrieben natürlich auch schon mögliche Stellschrauben für konstruktive Änderungen sehen.
00:18:59: Was wären das für Änderung?
00:19:01: Na ja, also was die HFUs im Versuch da ganz klar beobachten konnte oder auch die Familien zurückgemeldet haben ist natürlich auch eine relativ hohe Verlustrate von Beutzegreifern.
00:19:14: Das war tatsächlich erstmal ein Stück weit überraschend, weil es ein bisschen kontraintuitiv klingt.
00:19:19: Wir setzen Module über Hühner und am Ende verlieren wir mehr Huhn als ohne.
00:19:28: Wobei das natürlich auch ein Stück weiter logisch ist – wir schaffen natürlich auch Strukturen die die Raubvögel als Jagd aufs Sitz nutzen können teils dann weg, wenn sie den Schatten über sich sehen.
00:19:40: Wenn man als Huh natürlich im Schatten vom Modul sitzt sieht man nicht den Schaden vom Habicht über sich.
00:19:46: und das sind natürlich Themen wo man sagen muss ja gut die Tiere sind schlauer als man denkt und dass ist halt der eine Punkt wo man noch nacharbeiten könnte entweder indem man quasi die Module rein verbindet durch Netzer oder Gitter um halt wirklich einen Greif vorgeschützt erreichen.
00:20:05: An der Stelle muss man aber auch sagen, man könnte auch dichter belegte Ost-Westanlagen bauen.
00:20:10: Also wenn man dem Greifvogel die Möglichkeit von einem Einflug nimmt wie ja zum Beispiel bei relativ steil aufgestellerten Südanlagen da ergibt sich ein relativ großer Bereich wo der Vogel von hinten reihen kann.
00:20:24: Und wenn man das tatsächlich einfach ein Stück weit anders gestaltet, könnte ich mir vorstellen ohne dass wir es jetzt ausprobiert hätten.
00:20:31: Weil das gilt natürlich in den nächsten Projektphasen herauszufinden, dass man da die Verlustraten reduzieren könnte.
00:20:37: Das ist aber auch ohnehin sehr ortsunterschiedlich wie viele Probleme die Leute mit den Beute greifern haben.
00:20:46: Es ist nicht von einem auf anderen Standorts zu übertragen.
00:20:49: Es gibt ja bei den Predatorn nicht nur die Gefahr Oben sag ich mal jetzt für die Legehennen, sondern diese sind ja auch zum Beispiel durch Füchse bedroht.
00:20:59: Gab's da Erfahrungswerte?
00:21:02: Ja, da können sie den Herr Möhler wahrscheinlich auch noch gut zu fragen.
00:21:05: also was natürlich dann sehr unglücklich ist in der Kombination.
00:21:09: Also PV-Anlagen müssen ja auch immer eingehen, also müssen aus versierungstechnischen Gründen häufig eingefriedet werden.
00:21:16: Also brauchenden Zaun Und dieser Zaun muss aber quasi passierbar sein für Niederwild.
00:21:23: Also man muss quasi unten den durchschlüpfbaren Bereich halten und das ist natürlich bei einer Hühneranlage extrem ungünstig, weil dann natürlich jeder Fuchs drunter passt.
00:21:34: und wenn man schon sagt okay ja man definiert das jetzt erstmal nicht als agribv sondern als bv muss dann eingezäunt werden Dann müsste man eigentlich auf jeden Fall verhindern, dass der Fuchs da auch noch drunter passt.
00:21:48: Weil durch den Fuchs verliert man ja auch Hühner und das ist dann tatsächlich so eine Sache wo dann auch nur Verwaltungsbehörden einfach.
00:21:58: aber das ist ja eben wie gesagt ne neue Entwicklung die können das ja auch nicht überall wissen und bei Freiflächen-PV-Parks hier gerade auch extrem groß sind.
00:22:05: da finde ich es schon richtig und wichtig.
00:22:08: Aber jetzt für diese Anwendung, wo wir ja auch gerade die Yuna eigentlich schützen wollten ist es natürlich extrem kontraproduktiv.
00:22:13: Wenn wir Lücken im Zaun lassen nicht groß genug sind für jeden Fuchs und das könnte man da natürlich auch im Sinne der landwirtschaftlichen Nutzungen anpassen oder beziehungsweise da auch von der Forderung abrücken.
00:22:25: aber vielleicht hören hier ja auch einige Bauarbeitsmitarbeit dazu.
00:22:31: Aber wie gesagt, dass ist tatsächlich etwas Neues und man kann auch nicht erwarten, jeder Bauamtsmitarbeiter immer die ganz neuesten Sachen auch schon mit auf der Platte hat.
00:22:42: Die haben ja auch ganz viele andere Themen auf dem Tisch.
00:22:45: Man merkt schon, dass jetzt in der Modellregion und durch die einzelnen Projekte total viel wertvolle Praxiserfahrungen sammeln konnten.
00:22:55: Was kann man denn jetzt Landwirtinnen oder Landwirten raten?
00:22:59: Die zum Beispiel eine Freiland-Legehendenhaltung haben uns sich für PV interessieren?
00:23:05: Also aus unserer Sicht macht das Sinn.
00:23:08: Man kann sich das auf jeden Fall mal angucken, also ich weiß auch dass in Baden-Württemberg schon baurechtliche Privilegierungen für Anlagenaufläge hinausläufen gegeben worden sind.
00:23:19: Das wird aber teils auch von Bereich zu Bereich unterschiedlich gesehen.
00:23:23: Da zum Beispiel wäre auch ein Erstkontakt mit dem Bauamt nicht verkehrt um einfach mal da Meinungen abzuklappern wie das einzusortieren ist, wie die Ämter mitgehen denn sie haben selber relativ viele Spielräume.
00:23:37: Was ich sonst noch empfehlen würde, ist aktuell.
00:23:40: also wir haben ja gerade eine EEG-Neuverhandlung und in dem vorherigen EEG waren auch eigentlich Vergütungssätze für AgriPV vorgesehen.
00:23:49: Da kann ich aber aktuell nicht dazu raten sich da auf irgendwas schon zu verlassen und da dann fortzugehen weil wir einfach tatsächlich erst Rechtssicherheit haben wenn wir Rechtssichheit haben.
00:24:00: Und wir hatten mit dem Solarpaket eins, hatten wir schon ein Gesetz was durch alle demokratischen Prozesse durchvalidiert war und dann an einer europarechtlichen Freigabe gescheitert ist.
00:24:12: Da muss man wirklich aufpassen dass man da sich nicht verhudelt in seinem Business Case weil schlussendlich es jeder Landwirt in Betriebs wird und da muss einfach drauf geschaut werden das die Systeme auch so wirtschaftlich sind.
00:24:27: Ich sehe die Hühnerhaltung mit als eines der wirtschaftlichsten Systeme aktuell, aber dass man das wirklich mit dem feinen Bleistift durchrechnet und wirklich auch annahmen, dass man möglicherweise auch frei vermarktet.
00:24:43: Und sich da vorher gut informiert welche Kosten also welche Erträge man daraus erwirtschaften kann und dann lieber mit den Kostensätzen einer Freiflächenanlage arbeiten als mit irgendwelchen anderen möglicherweise kommenden Zuschüssen.
00:24:58: Und was ich aktuell jedem raten würde ist Kolokation, also eine Batterie daneben stellen und wenn man natürlich auch noch Bezugsleistungen genehmigt bekommt vom Netzbetreiber.
00:25:07: Also da Punkt eins des erst mal Netzkapazitäten sichern den die sind hart umkämpft und begrenzt und dann auch direkt für der Batterie mit anfragen.
00:25:19: Den erhöht einfach da in die Wirtschaftlichkeit aktuell Und dann Stück für Stück weitergehen und nicht zu viel investieren in dem Vertrauen darauf, dass man irgendwelche Zuschüsse oder andere Dinge bekommt.
00:25:36: Weil da haben wir jetzt doch einfach in den vergangenen Jahren zu viele Unsicherheiten gehabt.
00:25:42: Also wenn ich das richtig verstanden habe, ist es mit der... Wenn wir über die Freiland-Legehendenhaltung sprechen, ist's mit der Einstufung als AKPV sehr schwierig aber sie würden Dennoch nicht davon abraten, PV-Anlagen zu installieren.
00:25:57: Sondern sagen Gegenteil das lohnt sich trotzdem?
00:26:00: Ja also ich meine auch... Also nur weil etwas jetzt nicht in einer Dienstnorm drinsteht heißt es ja noch lange nicht dass das AgriPV sein kann.
00:26:10: Also agriPv und unserer Definition ist erst mal die Kombination von Landwirtschaft und PV Und nach der Definition isst auch eine Höhe Anlage ne Agri-PV Anlage.
00:26:20: Wir folgen ja auch dem Ansatz zu schauen, welchen landwirtschaftlichen Nutzen man daraus ableiten kann.
00:26:26: Und da sehen wir halt noch kleine Nachjustierungsbedarfe um eben wirklich einen vollumfänglich greif vorgeschutzt irgendwo zu haben oder eben auch mit den Zäunen oder eventuell was eine Lücke zwischen den Modulen reingeht, um dann inzwischen einfach Wasser auf der Fläche zu halten.
00:26:43: Da sehen wir schon nach Justierungsoptionen.
00:26:47: Aber das ist auf jeden Fall eine der Systemklassen, mit der man auch jetzt schon am Markt agieren kann.
00:26:52: Und soweit ich das weißte die ganzen Systeme, die ja auch so entstanden sind betriebswirtschaftlich entstanden hier in Baden-Württemberg und das zeigt das ja auch eigentlich schon.
00:27:02: also bei den anderen System über Sonderkulturen haben wir deutlich mehr Zuschüsse gebraucht.
00:27:07: aber da auch einfach weil es Versusanlagen waren, die relativ klein und kompliziert waren Und das ist natürlich immer teurer und bei den Hühneranlagen ist es halt einfach schon deutlich näher.
00:27:17: Einfach an so kommerziell verfügbaren Freiflächenanlagen, und da geht's jetzt halt darum eine kosteneffizienten Weg zu finden wie man diese anderen Schutzbedarfe einfach noch erfüllen kann denn wir sind ehrlicherweise davon ausgegangen dass wieder Module drauf setzen und dann kommt der Habicht nicht mehr.
00:27:35: Das ist halt nicht so passiert und so ist halt auch Wissenschaft.
00:27:38: also das muss man dann auch sagen Ich benenne Wissenschaft häufiger mal als den aktuellsten Stand des Irrtums.
00:27:44: Und so ist es tatsächlich auch einfach, also wir sehen auch bei anderen ... Bei den Sonderkulturen sind wir nach vier Jahren deutlich schlauer als nach dem Ersten und mussten da auch Forschungshypothesen kippen und wissen jetzt halt einfach deutlich mehr.
00:27:58: aber das ist ja auch in Ordnung so.
00:28:01: Ansonsten würden wir's nicht in einem Forschungsprojekt testen weil ansonsten wüsste es ja jeder schon.
00:28:05: Wie geht es denn jetzt weiter mit der Modellregion AKPV in Baden-Württemberg?
00:28:10: Genau, also eine bewilligte Verlängerungsphase gibt es derzeit noch nicht.
00:28:15: Aber ein Blick in den Koalitionsvertrag zeigt ja auch dass das Thema dort weiter verfolgt werden soll für Baden-Württemberg Und man muss natürlich auch sagen, wir wissen ja auf viele Themen noch nicht.
00:28:26: Das heißt es ist aus unserer Sicht ein großes Interesse daran hier weiterzumachen.
00:28:31: Auch gerade dass die Landesanstalten weiter landwirtschaftliche Daten erheben können in der Landwirtschaft ist wirklich auch eigentlich erst als etwas untersucht wenn's mal zehn Jahre beforst worden ist weil einfach die Jahre so unterschiedlich sind.
00:28:43: da sehe ich einfach auch noch einen deutlichen Bedarf das wir da mehrere Jahre noch weiter untersuchen dass wir auch insbesondere Bodenveränderungen, die wir jetzt schon sehen mehr in den Blick nehmen weil wir einfach ganz viel gelernt haben jetzt in den letzten Jahren was wir vorher nicht wussten.
00:29:01: Was aber natürlich auch neue Fragen aufgeworfen hat und da gehe ich jetzt davon aus das wir dieses Projekt fortführen werden Und vonseiten des Frauenhofer Isis besteht dann natürlich auch großes Interesse dran und ich denke immer von allen anderen Partnern auch.
00:29:16: Das heißt es bleibt auf jeden Fall Spannend, auch wenn man noch nicht so genau sagen kann wie es weiter geht.
00:29:22: Ja ich glaube ist das nicht zu viel gesagt Wenn man sagt dass sie auf jeden Fall Pionierarbeit leisten was die Kombination von Landwirtschaft und Photovoltaik in Baden-Württemberg angeht.
00:29:35: Dafür bedanke ich mich ganz herzlich Und auch vielen Dank für das nette Gespräch.
00:29:39: Vielen Dank auch von meiner Seite bis bald.
00:29:43: Das war die erste Folge von das Gelbe vom Ei, dem Podcast der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt nürtingen Geißlingen über die Kombination von Photovoltaik- und Freiland-Legehennenhaltung.
00:29:56: In der nächsten Folge besuchen wir einen Betrieb, der ACRI PV bereits im Alltag lebt!
00:30:00: Ich treffe Kevin Möhler, der auf seinem Familienbetrieb im Hohen Lohekreis PhotovOLTAIK und Legehinnenhaltungen miteinander verbindet – ich freue mich wenn ihr wieder dabei seid!
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